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Freitag, 2. November 2012

„Preis der Deutschen Weinkritik“ geht an „Fünf Freunde“



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Wine-Banker Christian Ress nimmt den Förderpreis der Journalistenvereinigung von Wolfgang Junglas, Vorsitzender der Weinfeder e.V. entgegen (Foto: KruppPresse – Norbert Krupp)
DEUTSCHLAND (Wiesbaden) - Bis auf den letzten Platz (einen Klavierhocker) besetzt war der Presseclub Wiesbaden am 30. Oktober. Aktuelle Zugnummer war der „Preis der Deutschen Weinkritik“ und wohl auch der flankierende Begleitumstand, Weine der Preisträger nach Verleihung und Talk verkosten zu können. Bereits zum achten Mal hatte Weinfeder-Vorsitzender Wolfgang Junglas zu dieser Ehrung gebeten.
WEINBANK TRIFFT ZEITGEIST
„Für die attraktivste Art, Wein hinter Gitter zu bringen“ (Junglas) wurde das Weingut Balthasar Ress, vertreten durch den geschäftsführenden Wine-Banker Christian Ress, mit dem Förderpreis der Journalistenvereinigung ausgezeichnet. Ausgerechnet im Jahr der Lehmann-Pleite (2008) richtete der renommierte Hattenheimer Betrieb eine Schließfachanlage in einem architektonisch richtungsweisend gestalteten Weingewölbe ein. Selbstverständlich nicht, um dort trockene und damit freudlose Anlageformen wie Aktien oder Versicherungspolicen zu horten. Betuchten Kunden eröffnet sich hier vielmehr die Option, gehaltvolle Trouvaillen fach- und sachgerecht einzulagern. Wenn es den Lageristen dann dürstet, oder er einfach mal ein paar Kumpel mit seiner Sammlung beeindrucken möchte, kann er sich zu jeder Tages und Nachtzeit mittels Chipcard Einlass verschaffen.
Mit diesem Service-Angebot für Weinfexe hat der Betrieb ein Näschen für den Zeitgeist ebenso bewiesen wie unternehmerische Risikobereitschaft. Mit Erfolg und damit Grund genug, sich mit „Weinfedern“ schmücken zu dürfen.
GEMEINSAM STARK - UND ÜBER SICH HINAUS WACHSEN
Die Hauptehre des Abends, der „Preis der Deutschen Weinkritik“, wurde den „Fünf Freunden“ aus der Süd-Pfalz zuteil, und er war überfällig. Bereits seit 21 Jahren wirken die Weingüter Becker, Münzberg, Rebholz, Siegrist und Wehrheim zusammen. Zum eigenen Wohl und zum Wohl der Pfalz, wie Laudator Jürgen Mathäß betonte. Er hatte die Gruppe von ihren Anfängen im eher profillosen pfälzischen Rebenmeer bis zur Profilierung als Trendsetter mit höchster Reputation begleitet. Das versetzte ihn in die Lage, in seinen lobenden Worten die Entwicklung der Vereinigung mit der Gesamtentwicklung der Region in Beziehung zu setzen.
Wo früher eigene Weinbereitungsgeheimnisse ängstlich gehütet worden waren, und damit auch der Stillstand zementiert war, haben die Freunde sich nicht nur ausgetauscht, sondern gemeinsam über den Glasrand hinausgeschaut, den Erfolgsrezepten der großen internationalen Weinmacher auf der Spur. Mit der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse haben die „Fünf Freunde“ den „Grundstein für die Prosperität der ganzen Region gelegt“, stellte Mathäß fest, „denn Sie haben der Region ein Gesicht gegeben.“
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Belohnung für gemeinsames Wirken - der Preis der...
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deutschen Weinkritik an "Fünf Freunde" (Fotos: N. Krupp)
Die schöne Verbindung aus betrieblichem Benefit und kollegialem Altruismus wurde aller Weinfeder-Ehren wert befunden und von Oberfeder Wolfgang Junglas in Form einer Urkunde überreicht, um an der Winzer-wall-of-fame dingfest gemacht zu werden.
ANBAUSTOP - TOP ODER FLOPP?
Das Bindeglied zum geselligen Teil des Abends knüpfte SWR-Moderator Werner Eckert, der Hansjörg Rebholz (Weingut Oekonomierat Rebholz) und Peter Rotthaus (Bundesverband der Deutschen Weinkellereien) zur EU-geplanten Aufhebung des Anbaustopps und möglichen Konsequenzen für die Weinqualität einvernahm.
VDP-Mitglied Rebholz, in der Pfalz dessen Vorsitzender, brach eine Lanze für die kleinen Fassweinerzeuger, das Landschaftsbild und bewährte Strukturen. Peter Rotthaus unterstrich die Bereitschaft der Kellereien zu friedlicher Koexistenz der Marktteilnehmer in ihren etablierten Segmenten und beruhigte, dass Horrorszenarien von Weinbau in Ex-Tagebaugruben den Kellereien so fern sei wie den Flaggschiff-Winzern.
Dass das theoretische Potenzial nutzbarer Weinbaufläche, nach Erhebungen in Rheinland-Pfalz immerhin das Doppelte des heute bewirtschafteten Raumes, tatsächlich bestockt wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber Regalflächen wollten verteidigt sein, was mit deutschen Erzeugungsvolumina in schwachen Jahren nicht immer gelingt. Davon profitieren die Fasswein-Erzeuger aus dem Ausland, die in großen Einheiten bei geringen Kosten produzieren. Damit stellen sie für die Kellereien attraktive Substitute dar, um den 65-prozentigen Anteil zu sichern, den die Kellereien am Verbrauchermarkt bedienen.
Es war Rotthaus durchaus abzunehmen, dass er die Nachfrage von LEH und Co am liebsten aus heimischer Produktion befriedigen wollte, ebenso wie Rebholz´ Schulterschluss mit Berufskollegen am unteren Ende der Leiter, deren Existenz er durch das bei den Branchengrößen konzentrierte Investitionsvermögen beim Erwerb neuer Flächen gefährdet sieht.
Werner Eckert legte seinen Finger kenntnisreich in die offenen Wunden, die, soviel wurde deutlich, oft politisch geschlagen worden waren, als Klientelpolitik mit Subventionssegnungen, die sich nicht immer langfristig und schon gar nicht für alle Marktteilnehmer als segensreich erwiesen hätten.
Ob es kommt und wie es kommt, bleibt offen. Risiken, wie das Sterben kleinerer Betriebe und damit die Verödung von Wein-Kulturlandschaft, stehen Chancen gegenüber, sich so aufzustellen, dass auch deutsche Fassweinerzeuger langfristig im Wettbewerb einer freien Marktwirtschaft bestehen können.
Die Argumente sind aus der jeweiligen Sicht nachvollziehbar, und der Umstand, dass die selbst vermarktenden Erzeuger und die Kellereien beim Thema so weit auseinander nicht liegen, lässt auf eine verträgliche Lösung zumindest hoffen. Jetzt muss nur noch jemand die EU entsprechend briefen.
Mit der versprochenen Probe von Weinen der „Fünf Freunde“ und des Weingutes Balthasar Ress klang der informative Abend genussreich aus(n.heine)

Bisherige Preisträger: 2005: VdP, 2006: Deutsche Wein- und Sommelierschule, 2007: ECOVIN, 2008: Vinissima - Frauen & Wein e. V., 2009: Message in a bottle, 2010: frank & frei, 2011 „Klitzekleiner Ring“

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