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Sonntag, 4. August 2013

Weine von Winzerinnen: Riesling trocken 'East Side' 2012 Weingut Winterling /Pfalz

Wenn Susanne Winterling Sie anstrahlt, dann geht die Sonne auf. So herzlich und sympathisch wie sie ist auch das gesamte Sekt- und Weingut der Familie, das bei vielen Kennern und Genießern schon lange als Geheimtipp gehandelt wird. Die Schwerpunkte liegen heute bei Riesling und Burgundersorten, die auf zehn Hektar Rebfläche in Weinbergslagen rund um Deidesheim an der Mittelhaardt gepflegt werden, ohne auf chemischen Dünger oder Herbizide zurückzugreifen. "Es gibt keine Philosophie, nur Konsequenz!", so lautet das Anti-Motto der Familie und der Erfolg gibt ihnen Recht: Seit Jahren werden die Winterling-Crémants mit Preisen bedacht und belegen auf Blindverkostungen stets Spitzenplätze. Seit 2011 ist das Weingut mit einer Öko-Kennzeichnung ausgestattet. (Kontrollstelle DE-ÖKO-022)

Der Wein

Der Wein ist nicht etwa an der Berliner East Side Gallery gewachsen, sondern östlich der Weinstraße, auf schweren Böden bei kühlem Klima. Hier herrschen beste Bedingungen für Rasse-Riesling, aber zwei Jahre hintereinander sind die Reben verfroren, da sich in den Senken Kaltluft staut und so im Mai unter 0°C möglich sind. Seit 2012 verwirbelt man mit Helikoptern die Kaltluft im Weinberg und rettet so die Ernte für das reine Trinkvergnügen.

Wunderbarer, knackiger Trink-Riesling aus der Pfalz; ein Leckerschmecker. Wenn Frische, Frucht und Spiel dich so um den Finger wickeln, dann muss es Winterling sein.

Dass Sie diesen knackigen Pfälzer trinken können, verdanken Sie zu großen Teilen sechs Hubschraubern. Die Geschichte erzählt sich wie folgt: Schon im Vorjahr mussten die Winterlinger große Schäden durch Frost verschmerzen, über 70% der Weinberge hatten keine Erträge eingebracht. Als im Mai eine große Kältewelle heranrollte, wollten Susanne und ihre Mannen nicht wieder hilflos zuschauen wie die jungen Triebe erfrieren. Als die Temperaturen unter Null sackten, begannen die zur Hilfe gerufenen Hubschrauber ihr Werk und drehten dicht über den Weinbergen ihre Kreise um die Luft zu bewegen. Von -3°C stieg die Temperatur wieder auf +1°C, die Ernte war bis auf wenige leichte Schäden gerettet! Lange Präambel, nun zum Wein. Der ist an sich viel leichter und prägnanter zu beschreiben: Es ist ein Pfalz-Riesling, wie er im Buche steht. Sehr saftig und reintönig, mit anregender Kernfrucht-Aromatik und knackiger Säure. Dazu gesellt sich ein feiner Hauch Würze und das gewisse, spielerische, leich cremige Etwas. Sehr beschwingt und toll im Sommer zu trinken. Wir sind froh, dass er uns trotz Frost erhalten geblieben ist, wir trinken ein Glas auf die Hubschrauberpiloten, der Einsatz hat sich gelohnt!

Winterling Riesling trocken 'East Side' 2012

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Interview mit Susanne Winterling

Susanne, uns interessiert zu aller erst: Was muss man mitbringen, um pfälzische Weinkönigin zu werden?

„Abgesehen von einer besonderen Affinität zum Wein, sollte man nebenbei auch trinkfest, unerschrocken und authentisch sein. Spätestens wenn man dann in Amt und Würden unterwegs ist, für Termine sich jedes Mal zu fremden Orten mit unbekannten Menschen begibt, lernt man was es heißt: Wein verbindet.“

Deine Eltern gründeten Winterling als Sektkellerei. Wie willst Du das Unternehmen in der Zukunft aufstellen?

„Welch eine schwierige Frage… Sicher ist ja eines: Wir wollen immer weiter feilen, an den Feinheiten der Weinbereitung, nie langweilige Gewächse in der Flasche haben, das Unternehmen soll wachsen und gedeihen, sodass jeder Tag mit den flüssigen Winterlingen ein Erlebnis ist und das für jeden, der kostet.“

Du führst Winterling gemeinsam mit Deinem Bruder. Was machen WinzerInnen anders als Winzer? Gibt es da überhaupt Unterschiede? Wer setzt bei Euch seinen Kopf durch?

„Wahrscheinlich würde die Frage auf das gleiche heraus kommen, wenn man sie als „Was macht Frau anders als Mann?“ formulieren würde… Ganz klar weiß ich: Mein Bruder kommt schneller zum Punkt, kann Sachen nüchterner und präziser ausdrücken. Bei mir sind dann viele Schnörkel am Werk, liebliche Begrifflichkeiten für Weinbeschreibungen, beispielsweise (wie Sebastian sagen würde: schnulzige). Aber wichtig ist, beim „großen und ganzen Ziel“ sind wir uns einig, wir wissen, wo wir hin wollen! Tja, und am Ende ist es bei dem Winzervolk auch nicht anders wie im wahren Leben: Die Frau setzt sich
durch…“

Wie teilt ihr die Arbeit bei euch auf?

„Auch wenn ich es liebe in die Weinberge zu gehen und dort zu arbeiten: Von dieser Liebe alleine wird die saisonal rasante Vegetation bis zur Weinlese nicht geschafft. Schade eigentlich (lacht). Mein Bruder kümmert sich um das Rebenmeer und die Flüssigkeiten im Keller. Probiert, diskutiert und Ideen gesponnen, das passiert immer gemeinsam an einem Tisch.“

Welche Geschichte versteckt sich hinter eurem Geliebten Gretchen? Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Was macht diesen Schaumwein anders als die anderen?

„Das Geliebte Gretchen ist eine echte Herzenssache. Außerdem natürlich der Beweis, dass es auch in Deutschland solche Spitzenprodukte geben kann. Aber eben nur, wenn man bedingungslos darauf hin arbeitet. Soll ein Sektgrundwein im Barrique reifen, braucht es dazu mehr als bestes Lesematerial. Feinste Trauben, mit der Hand geerntet und ausselektiert. Das sind 70% Spätburgunder und 30% Schwarzriesling. Ein Blanc de Noirs, der keine Fragen mehr offen lässt.
Das Gretchen ist ein Nachtschwärmer, wie der Name auch schon sagt: Die Perle im Mondschein. Es war weniger eine Idee, als der Drang danach, der Kreativität gepaart mit dem ganzen Können freien Lauf zu lassen. Hier waren ausschließlich neue Barriques mit im Spiel. Natürlich muss so einem speziellen Kind dann auch ein Name gegeben werden (möglichst deutscher als deutsch). Orientiert haben wir uns an Goethes „Faust“ und seinem jungfräulichen Gretchen. Zart besaitet sind diese Flaschen allerdings nicht, hier ist ein Vollblutweib versteckt. Jede Flasche ist ein Unikat: Handbeschriftet verbirgt sich hinter jeder Pulle eine kleine Flaschenpost, die die Gretchenfrage in ein völlig neues Licht stellt.“

Das ‘Gretchen’ ist optisch ein Hammer, jede Flasche handbeschriftet! Aber auch eure anderen Weine sind toll anzusehen und immer wiederzuerkennen. Was inspiriert euch beim Design?

„Schön, wenn das Design auffällt! Hier haben wir Winterlinge auch wirklich keine Kosten und Mühen gescheut. 2008, mein ältester Bruder, der mittlerweile seine Brötchen auf Mallorca verdient, war ein Jahr bei uns mit am Werk und schaute sich intensiv nach einem geeigneten Designer um, der zeitlos und neuartig unsere flüssigen Winterlinge in Bild umwandeln kann. Wer und Wo spielte keine Rolle. Über das Internet ist er auf eine interessante Frau namens Louise Fili gestoßen. An Ihren bisherigen Arbeiten konnte man sehen: Das hier ist handgemacht, hier steckt viel Liebe im Detail. So wie bei unserem Produkten.
Dass sich Louise in New York befindet, war dabei dann wirklich nebensächlich (lacht). Etliche Mails und viele Flüge in die USA später bekamen wir im Spätjahr 2010 unser neues Winterling Outfit. Trotz der Distanz ist das Etikett gemeinsam entstanden und gewachsen. Die Optik unserer Weine ist uns so wichtig, wie die Weine selbst. Wir haben kein altes Wappen, keine Jahrhunderte lange Tradition. Bei uns ist es eine junge Beständigkeit, die sich seit gut 30 Jahren ihren Weg ebnet.“

Ihr produziert erfolgreich Wein und Sekt - was trinkst Du am liebsten? Und bei welchem Anlass? Hast Du einen Lieblingswein?

„Faszinierend für mich ist, dass es ein besonderer und guter Wein schafft, auch einen alltäglichen Anlass unvergessen zu machen. Das kann ein geniales Essen sein, ein kleiner Picknickausflug oder eine beschauliche Runde mit Freunden. Gib mir dazu einen eisgekühlten Riesling wie den East Side, einer der spannend ist, der lebt, dann bin ich glücklich.“


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