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Mittwoch, 2. Oktober 2013

Veuve Clicquot: Die Geschichte eines Champagner-Imperiums und der Frau, die es regierte


Taschenbuch Tilar  J. Mazzeo Andreas Wirthensohn  

Obwohl es auf den ersten Blick ganz originell erscheint, ein Buch sozusagen in das Originaletikett einer weltberühmten Schaumweinmarke zu hüllen, könnte sich dies in diesem Fall rächen. Umschlaggestaltung und Titel führen nämlich eindeutig in die Irre. Hier handelt es sich eben nicht um ein Buch über den Champagner der Marke Veuve Clicquot – ach wie langweilig –, sondern um die spannende Biographie der Person, die sich hinter diesem nobel klingenden, ominösen Namen verbirgt. Was nämlich die Wenigsten, die des Französischen nicht ausreichend mächtig sind, wissen dürften, heißt „Veuve“ nichts anderes als „Witwe“. In diesem Fall ein Hinweis, dass das gleichnamige Luxusweinimperium von einer Frau aufgebaut wurde, die ohne Mann dastand. Nicht nur für die napoleonische Ära eine durchaus bemerkenswerte Tatsache.
Ebenso bemerkenswert wie die Frau, um die es in dem Buch der kalifornischen Kulturhistorikerin Tilar J. Mazzeo geht. Geboren als Barbe-Nicole Ponsardin, heiratete diese den Erben eines kleinen Champagnerhauses namens Clicquot und übernahm nach seinem überraschenden Tod 1805 im zarten Alter von 27 Jahren die Geschäftsleitung. Mit alles anderen als rosigen Aussichten in einer Zeit, da man das große Geld in Branchen zu verdienen begann, deren Erzeugnisse sich für die industrielle Massenproduktion eigneten – anders als der handgefertigte Champagner. Was sich jedoch speziell für eine Frau wiederum als Vorteil erwies. Genauso wie der Umstand, den Ehemann verloren zu haben. Denn nur dies berechtigte sie überhaupt, selbstbestimmt in größerem Stile Geschäfte zu betreiben. Ausgerechnet der Code Napoléon, der große Teile Europas vorübergehend vom Joch des Feudalismus befreite, war es, der die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Frauen dauerhaft einengen sollte.
Was letztlich erklärt, warum die resolute Geschäftsfrau, der es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelang, ihr teures Luxusgebräu in alle Welt zu exportieren und obendrein neue Herstellungsverfahren zu entwickeln, die „Witwe“ wie ein Prädikat im Markennamen führte. So gelesen, wird aus Veuve Cliquot. Die Geschichte eines Champagnerimperiums und der Frau, die es regierte ein Lehrstück in Wirtschaftsgeschichte. 

Pressestimmen

»Mit viel Gespür und großem Rechercheaufwand lässt Tilar Mazzeo diese resolute, clevere Businesslady aus Reims lebendig werden. (...) ein prickelndes Lesevergnügen.«
Stern 
»Eloquent und mit Sinn fürs Detail - z. B. dem, dass Dom Pérignon den Champagner gar nicht erfunden hat - schildert die US-Weinexpertin Mazzeo, wie eine junge Witwe ohne Ausbildung aus einer kleinen Kellerei ein Imperium formte und mit Erfindungen wie dem Rüttelpult dafür sorgte, dass das perlende Nass zum erschwinglichen Massenprodukt wurde.«
Sonntagszeitung (CH)


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