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Dienstag, 5. November 2013

Wird 2013 in Bor­deaux ein Kata­stro­phen­jahr ?

“Water”-loo für Bordeaux 2013: viel Wasser, wenig reifes Tannin


Wenn nicht noch ein Wun­der pas­siert, wird 2013 in Bor­deaux ein Kata­stro­phen­jahr: Kälte, Regen und Fäule, die sich rapide aus­brei­tet. Das Wort „Not­lese“ macht die Runde. Der Direk­tor eines Pre­mier Cru soll in ver­trau­li­cher Runde vom „schlech­tes­ten Jahr mei­ner Kar­riere“ gespro­chen haben.
Kein gutes Weinjahr in Bordeaux
Kein gutes Wein­jahr in Bordeaux
Noch Mitte Sep­tem­ber war man in Bor­deaux sicher, dass man am 10. Okto­ber mit der Lese der roten Trau­ben begin­nen könne, berich­tet die Tages­zei­tung Sud Ouest in ihrer Aus­gabe vom 4. Okto­ber: „Doch seit­dem haben die sich ver­schlech­tern­den Wet­ter­be­din­gun­gen alle Vor­her­sa­gen über den Hau­fen gewor­fen, die Not­lese hat begonnen.“
Zum Bei­spiel auf Châ­teau Rauzan-Ségla. 160 Ern­te­hel­fer sind der­zeit im Ein­satz, um zu ret­ten, was noch zu ret­ten ist. Regen und Sturm haben am Wochen­ende das linke und das rechte Ufer der Gironde heim­ge­sucht. Die Nass­fäule brei­tet sich rasant aus, vor allem bei den Merlot-Trauben. John Kolassa, der Direk­tor die­ses renom­mier­ten Deu­xième Grand Cru Classé aus Mar­gaux, das zu den weni­gen Châ­teaux gehört, die ihre Lesehel­fer wäh­rend der Lese ver­kös­ti­gen, wird mit dem bit­te­ren Aus­spruch zitiert: „Wenn man fau­les Gemüse für eine Suppe ver­wen­det, schmeckt sie nicht. Ähnlich ist es mit den Trau­ben und dem Wein.“

Mar­quis de Terme: „Kom­pli­zier­ter Jahrgang“

Auch auf Mar­quis de Terme, einem viert­klas­si­fi­zier­ten Margaux-Château, hat die Merlot-Lese bereits begon­nen. Eine hoch­mo­derne, opti­sche Sor­tier­an­lage soll dafür sor­gen, dass nicht nur faule Trau­ben, son­dern auch nicht-tanninreife Bee­ren mit­tels eines Farb­scan­ners auto­ma­tisch aus­ge­le­sen wer­den. „Es ist ein kom­pli­zier­ter Jahr­gang“, gibt der Direk­tor Ludo­vic David unum­wun­den zu. „Der schwie­rigste, den ich in 19 Jah­ren erlebt habe.“
Ben Ken­nedy, Fine Wine-Experte für das Invest­ment­haus Rive Gau­che Wines in Bor­deaux, berich­tet in der Zeit­schrift The Drinks Busi­ness, dass der Direk­tor eines Pre­mier Cru in ver­trau­li­cher Runde mit Kol­le­gen sogar vom „schlech­tes­ten Jahr­gang mei­ner Kar­riere“ gespro­chen haben soll. Vor­erst nur ein Gerücht. Nichts Offi­ziö­ses. Aber die Zei­chen ste­hen schlecht. „Die Hoff­nun­gen auf einen Indian Sum­mer haben sich nicht rea­li­siert“, schreibt das Inter­net­por­tal La Pipette Aux Quattre Vins über die Wein­ernte 2013. „Man schaut zum Him­mel, kreuzt die Fin­ger und hofft, dass es kein Water­loo wird.“

Ein Water­loo für den Wein?

Das ganze bis­he­rige Jahr 2013 war wet­ter­mä­ßig eine Kata­stro­phe für die Win­zer von Bor­deaux. Kühle Tem­pe­ra­tu­ren im Mai und Regen im Juni haben zu einer unre­gel­mä­ßi­gen Blüte geführt. Viele Trau­ben tru­gen nur fünf, sechs Bee­ren. Juli und August waren dage­gen heiß. An den Tou­ris­ten­strän­den am Atlan­tik herrschte Hoch­be­trieb und gute Laune. Der Vege­ta­ti­ons­rück­stand der Reben konnte ein wenig ver­rin­gert wer­den. Aller­dings haben zwei ver­hee­rende Hagel­stürme viele Wein­berge ver­wüs­tet. Nach ers­ten Pro­gno­sen sind 10.000 Hektar betrof­fen, vor allem in Entre-Deux-Mers.

Ent­täu­schen­der September

Das Médoc und St. Emi­lion mit sei­nen Satelliten-Appellationen blie­ben glück­li­cher­weise von den Unwet­tern ver­schont. Die Châ­teau­be­sit­zer, die keine Schä­den zu bekla­gen hat­ten, setz­ten ihre gan­zen Hoff­nun­gen nun auf den Sep­tem­ber. Doch der fiel uner­war­tet kühl aus. Außer­dem gab es immer wie­der klei­nere Regen­fälle. Am 20. Sep­tem­ber bes­serte sich dann das Wet­ter plötz­lich. Ein paar Tage Son­nen­schein – und die Mie­nen der Win­zer hell­ten sich auf. Der Som­mer schien zurück­zu­keh­ren. Der Mond­wech­sel Anfang Okto­ber würde, so Oli­vier Ber­nard, Prä­si­dent der Grands Crus Clas­sés von Bor­deaux und Besit­zer der Domaine de Che­va­lier in Gra­ves, den Win­zern viel­leicht doch noch „einen Gol­de­nen Okto­ber bescheren“.

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