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Dienstag, 3. Juni 2014

Primitivo - Apuliens beliebtester Rotwein

„Wein lebt von den Emotionen, die er weckt“, ist einer der beliebtesten Sätze in Seminaren, bei denen sich Marketingmenschen überlegen, wie sie mehr Wein verkaufen. Wenn das stimmt, wer stand dann beim Primitivo Taufpate? Der Name lässt kaum eine positive Assoziation zu. Dabei liefert die Rebsorte kraftvolle Weine mit verschwenderischen Fruchtaromen, die die ganze Sonne des Südens in sich tragen. Seine Devise lautet: Süß aus Tradition, mit Erfolg trocken.


Die Heimat des Primitivo ist Manduria

Gregory Perrucci hört gern Horowitz. Seine Nachbarn eher weniger. In seiner apulischen Heimatstadt Manduria diskutieren die Leute über Preise für Olivenöl und Mandeln oder den AS Bari. Nur Perrucci genießt die Interpretationen des genialen Pianisten. Kritiker sagen, Wladimir Horowitz’ kraftvolle Auslegungen alter Meister seien zu blumig, übertrieben. Die Leute im Dorf sagen meist gar nichts dazu, wenn mittags mal wieder donnernde Klavierlaute aus Gregorys Fenster wallen.

Primitivo - Sein Weg vom Fasswein zum Flaschenwein

Schon als Kind wollte er selbst Pianist werden, besuchte das Konservatorium, doch das Leben spielte eine andere Melodie. Sein Vater betrieb in den achtziger Jahren einen gut gehenden Fassweinbetrieb, das heißt, er verkaufte große Mengen Primitivo an Abnehmer in Norditalien und Frankreich. Weine von Bauern und Genossenschaften zu kaufen und dann in großen Gebinden außerhalb der Region abzusetzen, war seinerzeit das einzige Geschäftsmodell der Region in Sachen Weinbau. Flaschenabfüllungen gab es nicht. Die Leute aus Manduria kauften ihren Wein zehnliterweise bei der Genossenschaft.

Lass uns die Botschaft in die Welt tragen

Gregory beendete die Musikschule – und entdeckte seine Ader für den Primitivo. Der gelernte Konzertpianist beschloss, die Weinkultur zu retten. Mit seiner Frau Elisabetta Gorla gründete er die Accademia dei Racemi, eine Vertriebsgemeinschaft, die Bauern höhere Preise für ihre Trauben zahlt oder sie ermutigt, gleich selbst abzufüllen. Angestellte Landwirte beraten zudem beim Anbau und der Vinifikation. Seinen Namen trägt der Primitivo nämlich nicht, weil es mit ihm so einfach wäre. Die ersten Benediktiner-Mönche, die ihn wahrscheinlich um das 18. Jahrhundert in ihren Klostergarten pflanzten, wunderten sich wohl nicht schlecht. Die Reben ließen sich im Frühjahr viel Zeit, bis sie austrieben.

nomen est omen

Doch schon im August hingen die Trauben reif am Rebstock. Das ist selbst für süditalienische Verhältnisse früh, deshalb nannten sie ihn u´pr´mat´ve oder prime uve, die frühe Traube also, nicht der Primitivling. Ende des 18. Jahrhunderts gab der Pfarrer Don Filippo Francesco Indellicati der Rebe den Namen Primativo, und damit war es dann einigermaßen geschafft bis zum Primitivo, auch wenn das nicht das Ende der Sprachverwirrung ist. 
 

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